
Das Ensemble Compagnie d'Oiseaux Dresden (zu deutsch Vogelschar) um die Sängerin Gretel Wittenburg hat sich seit 2013 der Aufführung Alter Musik verschrieben. In wechselnden Vokal- und Instrumentalbesetzungen kommt die ganze Vielfalt historischer Musikschätze zu Gehör. Zu den Gästen des Ensembles gehören bekannte Solisten wie: Magdalena Bäz, Daniela Vogel, Clemens Heidrich, Elisabeth Starke, Uta-Maria Lempert, Ulla Hoffmann, Dietlind Baumgarten, Katrin Geibel, Brita Lenke, Kathrin Lösch-Bäz, Camilla Lehmgrübner, Sebastian Freitag, Magdalena Greuner, Martin Strohhäcker, Thomas Grosche, Xaver Schult, Heidrun Pollini, Karina Müller, David Pollini, Wolfram Hoppe, Bernd Schäfer, Barbara Christina Steude, Elisabeth Weber, Johanna Kuchenbuch, Eygló Dóra Davíðsdóttir, Jakob Kuchenbuch, César Queruz Acero, Adéla Drechsel, Friederike Lehnert, Henk Galenkamp und Christian Domke u.a.
ELEGANZA SONORA
Frauen schreiben 400 Jahre Musikgeschichte! Meisterinnen des Barock, deren Namen heute weitgehend unbekannt sind, erklingen im Konzert. Das Programm würdigt einige der „fast" vergessenen Komponistinnen des 16. und 17. Jahrhunderts. Frisch und teils erstmalig erklingen in Deutschland Arien, Madrigale und Kantaten von Élisabeth Jacquet de la Guerre, Barbara Strozzi, Francesca Caccini, Antonia Bembo, Chiara Margarita Cozzolani, Isabella Leonarda, Lucretia Orsina Vizzana und Leonora Orsini. Klangvolle Eleganz mit Gretel Wittenburg & Barbara Christina Steude (Sopran), Elisabeth Weber & Adéla Drechsel (Barockvioline), Katharina Schlegel (Viola da Gamba), Martin Steuber (Theorbe) & Christian Domke (Cembalo & Organo).
VON ZARTER HAND würdigt Komponistinnen des 17. Jahrhunderts, insbesondere Antonia Bembo (*um 1640 in Venedig; † um 1720 in Paris). Die Italienerin fand im Versailles des Sonnenkönigs Gnade und Ansehen. Sie huldigte ihrem Mäzen Ludwig XIV. für lebenslange Pension und Logis mit einer Vielzahl von außergewöhnlichen Werken. Darunter sieben Bußpsalmen als vertonte Psalm-Paraphrasen in französischer Sprache von Elisabeth-Sophie Chéron (1648-1711). Es musizieren Gretel Wittenburg & Barbara Christina Steude (Sopran), Elisabeth Weber & Johanna Kuchenbuch/ Eygló Dóra Davíðsdóttir (Barockvioline), Jakob Kuchenbuch (Viola da Gamba), César Queruz Acero (Theorbe) und Christian Domke (Cembalo & Organo).
Ensemble Compagnie d’Oiseaux präsentierte berührende Musik in der Kreuzvesper
FEBRUAR 25, 2026 Dresdner Neueste Nachrichten - Wolfram Quellmalz
[...] Am Sonnabend war die von der Sopranistin Gretel Wittenburg gegründete Compagnie d’Oiseaux zu Gast, zu deren »Vogelschar« eigentlich vier Soprane gehörten: Barbara Christina Steude wechselte sich in den Stimmen mit Gretel Wittenburg ab, Adéla Drechsel und Friederike Lehnert stellten auf ihren Barockviolinen oft instrumentale Soprane dar. Die Begleitung an der Orgel übernahm KMD i. R. Henk Galenkamp, der den vielen hohen Stimmen zwar den einzigen Baß gegenüberstellte, dafür aber nicht nur auf den Klang, sondern ostinate Rhythmen der Werke vertrauen konnte. Dabei waren die Stücke so ausgewählt, daß der Abschluß des einen oft nicht nur in der Tonart, sondern auch im Gestus bündig zum Beginn des neuen paßt.
Das galt schon für den auf den Einzug folgenden Christoph Bernhard und dessen Fassung der Geistlichen Harmonie »Aus der Tiefen«. Schon hier zeigten sich zwei charakteristisch völlig unterschiedliche Soprane. So fiel es dem schlankeren von Gretel Wittenburg deutlich leichter, sich in die bei Bernhard weit und schnell nach oben führende Stimme zu steigern. Barbara Christina Steude fügte, wie im folgenden »Was betrübst du dich, meine Seele« von Heinrich Schütz (SWV 353), manche herbe Schattierung bei. Schon bei Bernhard war in der Begleitung der Puls der Passacaglia charakteristisch, ein belebender Effekt, der auch zum Abschluß bei Dieterich Buxtehude (»Herr, wenn ich nur dich hab«, BuxWV 38) wiederkehrte.
Belebung lag an sich bereits in der Musik des 17. Jahrhunderts, wie sie hier präsentiert wurde. Dazu gehörten zwei Musikstücke komponierender Nonnen, Chiara Margarita Cozzolani und Isabella Leonarda, die damals bereits verehrt wurden. Vor allem Isabella Leonarda blieb bis heute berühmt und ist Alte-Musik-Freunden vertraut.
Mit ihnen vollzog sich ein Perspektivwechsel, denn auf Chiara Margarita Cozzolanis Concerto »O dulcis Jesu« (Oh süßer Jesus), in dem sich Stimmen und Violinen konzertierend abwechselten, folgte Isabella Leonardas »Quam dulcis«. [...] Wer mit den Werken Isabella Leonardas vertraut ist, den wunderte das ausdrucksstarke Werk nicht, wer es neu entdecken konnte, erfuhr eine erfrischende Interpretation bis in das mehrfach vokal und instrumental ausgeführte »Amen«.
Henk Galenkamp spielte vor dem Wort zum Sonntag, in dem Pfarrerin Carola Ancot auf die gehörte Musik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (Gemeindelied) einging, Dieterich Buxtehudes Partita »Auf meinen lieben Gott« (BuxWV 179) sowie dessen Präludium a-Moll (BuxWV 153). [...] Der Beginn der Passions- oder Fastenzeit am Vorabend des Sonntags Invocavit durfte nicht nur viel helles Licht durch die Kreuzkirche fluten, sondern auch in einer Farbigkeit wie jene der Frühblüher, die sich auf Wiesen und in Gärten gerade zu öffnen beginnen, leuchten. Dazu gehörte ganz besonders Johann Vierdanck Capriccio (aus dem Concerto de varii stromenti), das Adela Drechsel und Friederike Lehnert spielten – noch eine ungewöhnliche Entdeckung!


